Screening &
Diskussion
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QUEER BEOGRAD!
"Jede hat das Recht und die Freiheit sich auszuleben und aufzuführen
so lange niemand verletzt wird!" - Das 3. Queer Beograd Festival
findet unter dem Titel Kvar - Die Fehlfunktion vom 12. bis
15. Oktober 2006 statt.
von Zoe Gudovic
Über Serbien als isolierte Nachkriegsgesellschaft wird oft
als Hinterhof der Europäischen Union gesprochen, wo Nationalismus,
patriarchale Strukturen, Religion, Fanatismus und konservative Werte
die Politik sowie das Alltagsleben dominieren.
2001 verübten homophobe Massen ein Massaker an LesbenSchwulenTransgender,
die einen Pride March in Belgrad veranstalten wollten. Dieser gewalttätige
Übergriff ist symptomatisch für die brutale Durchsetzung
der Heterosexualität, die eng mit stereotypen Geschlechterrollen,
Machismos und Nationalismus verbunden ist.
2004 wurde ein zweiter Versuch unternommen, die queere Community
und ihre Politik in Belgrads Straßen sichtbar zu machen. Die
Veranstaltung musste abgesagt werden, weil die Sicherheit der TeilnehmerInnen
nicht garantiert werden konnte.
Durch diese Vorfälle kam die Idee für ein neuen Konzept,
das unserem Bedürfnis entgegenkam, sich nicht nur mit Problemen
wie Hass-Attacken herumschlagen zu müssen. Stattdessen wollten
wir einen sicheren Ort schaffen, an dem sich queere Menschen versammeln
können, um über queere Politik zu diskutieren und ein
queeres Verständnis für das gesellschaftliche und politische
Leben zu schaffen. Das bedeutet Themen wie Geschlecht, Sexualität
und die Politik des Begehrens nicht nur als Zusatz zu anderen progressiven
politischen Kämpfen, wie den Klassenkämpfen oder den antirassistische
Kämpfen, zu sehen, sondern auf eine selbstdefinierte, horizontale
und interaktive Kommunikation und politische Aktionen hinzuarbeiten.
Mit diesem Verständnis werden sexuelle Orientierung oder Geschlechterrollen
nicht als vorgefertigte Identitäten gesehen, die immer auch
benutzt werden um Leute ein- oder auszuschließen. Stattdessen
sollte das Bedürfnis nach persönlichem Austausch und unterstützender
Ermächtigung in Bezug auf Alltagserfahrungen der Diskriminierung
und Unterdrückung im Vordergrund stehen.
Es ist nicht unsere Idee, dass wir uns an sich an kapitalistische,
liberale Mainstream-Politik und Life-Style anpassen, sondern Protest,
Kontakte, Treffen und Räume zu verqueeren und sie aktiv zu
gestalten; sie zu öffnen, für flexible Identitäten.
Von diesem Ausgangspunkt wollen wir eine Politik konstruieren, welche
Themen wie Rassismus, Globalisierung, Ökologie, etc weiterdiskutiert.
Das Queer Belgrad Kollektiv entschied sich dafür, in der Form
eines Festivals verschiedene Strategien zu nutzen und einen offenen
Raum für Austausch zu schaffen. Bis heute hat Queer Belgrad
zwei Festivals organisiert: "Encounters" im Mai und "Party&Politics"
im Dezember. 2006 findet das dritte Festival statt.
Das Festival etabliert einen freien, sicheren und queeren Raum,
in dem sich Menschen versammeln und sozialisieren und Themen diskutieren
können, die sie betreffen. Es bietet eine Atmosphäre,
welche Queerness zelebriert und feiert, innerhalb einer Gesellschaft,
wo dies nicht nur als inakzeptabel gilt, sondern auch gefährlich
sein kann/ist. Das Festival bietet eine Vielfalt an kulturellen
und politischen Events, die verschiedene Bilder und Ideen des Queer-Seins
vermitteln. Indem wir das Festival abhalten und uns weigern, uns
von der Angst gegen homophobe Überfälle oder Vorurteile
einschüchtern zu lassen, liefern wir eine konkrete Methode
für das Empowerment queerer Menschen im Balkan.
In diesem Kontext, heißt "queer sein", sich nicht
sozialen Regeln zu unterwerfen, sondern die Normen der patriarchalen
Tradition konstant zu hinterfragen. Es geht darum, einen Raum zu
schaffen - jenseits der strengen Schubladisierung -, der jeder/jedem
das Privileg der Selbstdefinition erlaubt, um so eine radikale Politik
zu entwickeln, die den Zusammenhang aller Formen der Unterdrückung
erkennt und thematisiert.
Übersetzung: Eva Egermann
Erschienen in Malmoe Nr 34
Nachdruck aus Prologue 2
Zoe Gudovic ist queere Feministin
aus Belgrad, studiert Kunstmanagement an der Kunstakademie in Belgrad
und ist involviert in die feministische Organisation "Women
at work", Mitbegründerin von der Theatergruppe "Act
Women" und eine der GründerInnen von "Queer Belgrade".
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