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Donnerstag, 15. Oktober 2009, 19.30 Uhr

Eine lästige Gesellschaft


Film von Marika Schmiedt
anschließende Diskussion mit der Filmemacherin

Marika Schmiedt (eine Romni, Filmemacherin und Malerin, geb. 1966) zeichnet ein authentisches, dokumentarischs Bild von der Suche nach Spuren ihrer ermordeten Großmutter. Eine lästige Gesellschaft ist ein Filmdokument, das den Massenmord an den "Zigeunern" im Allgemeinen und das Schicksal ihrer Vorfahren im Besonderen in Erfahrung zu bringen sucht.
In Österreich bedeutet dies Bürokratie: zwanzig verschiedene Ämter, Wartezeiten wegen Kaffeepausen, wiederholtes Besuchen von Ämtern, weil Akten nun doch dort lagern sollen, vergebliches Verlangen von schriftlichen Absichtserklärungen um Einsichtnahme in Akten. Eine lästige Gesellschaft zeigt die Realität einer jungen Frau, die - wie viele andere auch - ihre Verwandten in der Todesmaschinerie der Nationalsozialisten verloren hat.

Nur wenige wissen vom nationalsozialistischen Genozid an den Roma. Der Massenmord an dieser - erst seit 1993 anerkannten - ethnischen Minderheit wird tabuisiert und verharmlost. Tradierte Klischees und Vorurteile über Roma haben deren Platz am unteren Ende der sozialen Hierarchie festgelegt.

"Meiner Grossmutter gewidmet"
(Marika Schmiedt)
Meine Großmutter Amalia, geb. 1909 in Korneuburg als Kind einer österreichischen Lovara Familie, wurde 1939 in Graz verhaftet und Anfang 1940 in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrck deportiert. Auf Grund fragmentarisch erhaltener Aufzeichnungen weiß man, dass sie 1942, 32-jährig, in Bernburg an der Saale ermordet wurde. Meine Großmutter findet Erwähnung in einem Gedenkbuch: Ravensbrück - Bernburg - Ermordung in der sogenannten "Heil- und Pflegeanstalt".

Die Landes-, Heil- und Pflegeanstalt Bernburg wurde erst nach August 1941 einer der Standorte für die "Sonderbehandlung 14f13". Die Bezeichnung 14f13 war das interne Aktenzeichen. Dabei stand 14f für den Tod im Konzentrationslager und 13 für den Transport in eine "Euthanasie"- Anstalt. Die sogenannte Sonderbehandlung 14f13 gehört zu den bestgehüteten Geheimnissen der Nationalsozialisten. Diese Verbrechen sind weitgehend unbekannt und nicht wirklich enthüllt.

Die Folgen der nationalsozialistischen Rassenpolitik bekamen auch die vier (möglicherweise auch mehr) Kinder meiner Großmutter zu spüren. Sofie, die Erstgeborene wurde in das KZ Auschwitz deportiert. Im Frühjahr 1944 kam sie ebenfalls nach Ravensbrück. Sie starb 1953, 29-järig an den Spätfolgen der Lager Haft. Die damals 2-jährige Tochter Inge überlebte durch Glück. Sie entkam mit Hilfe von Gadjes ("Nichtzigeunern"), die sie damals aufnahmen, der Todesmaschinerie. Auch die damals einjährige Tochter Margit, meine Mutter, überlebte den Holocaust. Unser Leben ist durch die Ermordung unserer Angehörigen in der NS - Zeit geprägt.

Weitere Informationen zu den Arbeiten von Marika Schmidt
http://www.artbrut-video.com/